Aus der Geschichte:
Nach Baubeginn am 28.12.1912 mit der Baunummer 417 von der Werft van Diepen in Waterhuizen, Provinz Groningen, im Mai 1913 als "HELENE" an H.Schröder, Dornbusch, für 8100 Mark abgeliefert, einschließlich " Masten, Bäumen, Gaffeln, Ofen, Wanten, Wasserfaß". Das geht aus einem Auszug aus dem Auftragsbuch der Werft hervor, das Joachim Kaiser, Hamburg, freundlicherweise zur Verfügung gestellt hat. 

1926 trug das Schiff in einem Vermessungsbrief noch den Namen "HELENE" (Unterscheidungssignal KMJW), 1928 liegt ein Fahrterlaubnisschein der SeeBG für den Motorsegler "GRETE" (U-Signal KMJW, Reeder J. Rademacher) vor.  

Ein 25 PS Deutz Diesel wurde vor 1926 eingebaut, 1943 erneuert.  

Als Eigner nach H.Schröder sind bekannt: 

1930 verkaufte Johann Rademacher aus Mehedorf bei Bremervörde die "GRETE" an den Brennstoffhändler Ernst Hilgendorf aus Groß-Stepenitz. Das Schiff wurde dann bereits als "ALFRED" in der Stettin-Fahrt eingesetzt. 

Seit 1936 fuhr Ernst Hilgendorfs Sohn Alfred auf dem Schiff mit , dessen Namen es mit dem Kauf von seinem Vater 1930 bekam.  

  Besanewer "ALFRED" 1931

Alfred Hilgendorf lebt jetzt bei Löcknitz, ist Ehrenmitglied im Museumshafen Greifswald und hat das Schiff in seiner jetzigen Wiederaufbauphase schon mehrmals besucht und immer ein paar Stories aus seinem (manchmal offenbar ganz schön draufgängerischen) Leben von und mit "ALFRED" zu vertellen. So brachte "ALFRED" z.B. im harten Winter 1946 als Eisbrecher auf der Peene zusammen mit anderen Schiffen Kohle für die Universitätskliniken von Jarmen nach Greifswald! 

Alfred Hilgendorf fuhr das Schiff bis 1952 in der Bodden- und Hafffahrt.  

1956 wurde "ALFRED" in Anklam aufgelegt.

Intermezzo
Dort entdeckte es Wolfgang Rudolph 1957/58, nahm es unter der Nummer 2/127 in sein Register auf und beschrieb den Zustand u.a. mit : 
"... Schwerter: zwei ... 
Mast: kein, jedoch noch 2 (!) Mastkoker (bis 1926 BM, b.u. 56 GM) 
Bugspriet: kein (bis u. 1935) 
Takelung: (früher: K, F, GrS, BS) bis 1956 Fock und Großsegel 
Bemalung: Rumpf schwarz, Reling hellblau, Luksüll dunkelrot, Roof braunrot, ...". 

In den folgenden Jahren bemühte sich Wolfgang Rudolph um eine Möglichkeit, diesen in vielen Details originalen Ewer zu erhalten. Er hat diese Geschichte dankenswerterweise in PIEKFALL No. 62 (1997) ausführlich geschildert. 

Die Rettung des Schiffes vor dem Verschrotten erfolgte 1969 durch den Verkauf an die "Nationalen Forschungs-und Gedenkstätten Weimar".  

In der Folge wurde "ALFRED" zusammen mit drei anderen alten Schiffen im Februar 1970 in Seedorf/Rügen an Land gesetzt und als Werkstattschiff in dem Verband der Ferienheim-Schiffe genutzt, beschrieben von Michael Sohn in ALTE SCHIFFE 3/95 . Durch diese Nutzung waren am "ALFRED" die Umbauten minimal und viele originale Details blieben so erhalten.

Wiederbelebung
Nach der Wiedervereinigung Deutschlands erkannte Reinhard Bach vom Museumshafen Greifswald die neue Chance für diese Schiffe, verhandelte mit den Nachfolgern der NFG Weimar und so konnten für die berühmte 1,-DM drei der Schiffe zu neuen Eignern kommen. 

Aber in einem Zustand, der nur oberhalb der Kimmung leidlich gut war, die Böden waren an allen Schiffen durchgerottet, "ALFRED", wie die anderen Schiffe, nicht schwimmfähig.  "ALFRED" ohne Schiffsboden

Auch dieses Problem meisterte Reinhard Bach, er fand in Roland Aust, "PIROLA" Hamburg, den Mann, der "ALFRED" auf dem Schilfplan in Seedorf einen neuen Boden einzog.  

1995 konnte "ALFRED", zusammen mit der Tjalk "CHRISTIAN MÜTHER", ebenfalls Mitglied im Museumshafen Greifswald, wieder seinem Element zurückgegeben werden, ein zweiter Stapellauf. 

Die dazugehörigen Mühen von Reinhard Bach und seiner Crew können nur erahnt werden, dokumentiert sind die Momente in Bildern und Videos. 

Die Restaurierung der noch vorhandenen alten Deutz-Maschine war aber leider mit erträglichem Aufwand nicht möglich, so daß eine neue Maschine, ein russischer 120 PS Schiffsdiesel (halbierter KRAS-Diesel, Detroit-Lizenz) aus Peenemünder NVA-Beständen, eingebaut wurde.  

Die alte Maschine ist als Museumsstück bei Rolli Reeckmann auf Liddow/Rügen gesichert worden und wird hoffentlich zukünftig in der BUCHOLZ-MUSEUMSWERFT in Greifswald zu besichtigen sein. 

ALFRED wieder in Fahrt
1996 trat Hinrich Meyer als Miteigner bei "ALFRED" ein. 

Nachfolgend standen Entrostung/Konservierung im Schiff und Schweißarbeiten auf dem Programm: 1913 genietete Bodenwrangen, der Maststuhl des Großmastes, ein neues Maschinenraumschott, Ruderanlage, Schanzkleid und vieles andere. 

Das Jahr 1996 wurde von der Eignergemeinschaft beschlossen mit dem Stellen des 17m-Großmastes, "ALFRED" bekam wieder den unübersehbaren Blickfang eines Segelschiffes ! 

Seit 1997 hält H. Meyer "ALFRED" allein. 

Danach ging es ans Aufriggen und Malen, 39 Blöcke, ca. 400m Tauwerk , viele Kilo Mennige und Farbe (überwiegend verstrichen von Monika und Malte, Frau und 8-jähriger Sohn von Hinrich) kamen in das Schiff, als Klüverbaum und   Gaffel konnten Stengen von des inzwischen leider zersägten Haikutters "HISSÆ Y"  umgearbeitet werden.  

Freude bereitete auch der Nachbau einiger Details, z.B. die verrotteten Schwertgehänge auf der Backbordseite, für die Originale an Steuerbord gilt:: 1913 in Holland geschmiedet, 1997 verzinkt und jetzt noch gefahren, wahrscheinlich in Deutschland die einzigen original erhaltenen 1913 geschmiedeten Schwertgehänge. Die zu kleinen Seitenschwerter (Foto von 1931 zeigt die Originale) werden vorerst noch gefahren, ein Nachbau der Originale wird aber erforderlich sein. 

Am 18.Juli 1997 konnte "ALFRED" seinen Liegeplatz im Museumshafen Greifswald wieder mit eigener Kraft verlassen! 

Der Höhepunkt war aber das Winteransegeln am Nikolaustag 1997, mit Gästen und qualmendem, aber punschwärmendem Herd, ging "ALFRED" auf die zweite Jungfernfahrt. Mit geliehener Besegelung von der "ERNESTINE" Rolli Reeckmanns, die für "ALFRED" zwar zu klein war, aber das Segeln nach über 60 Jahren für das Schiff möglich machte. 

1998 war erst einmal ohne Segel geplant, die geliehenen mußten zurückgegeben werden.  Völlig überraschend bekam ALFRED dann doch noch Segel, gerade noch rechtzeitig für diese Törns: Jochen Storbeck spendierte Groß und Fock der Erstbesegelung seiner "PETRINE" (25m-Seeewer)! Nach Umarbeitung durch die Segelmacherei Boldt in Ribnitz hatte "ALFRED" endlich passende Segel. Am Tag vor dem Auslaufen  zur vorpommerschen Segelwoche waren sie fertig und konnten an die inzwischen mit Hochdruck fertiggestellte Gaffel angeschlagen werden. 

So konnten die Sommertörns unter Segeln gefahren werden und die Ausführung des laufenden Gutes bestand diese Bewährungsprobe, sogar zu dritt, mit Frau Monika und neunjährigem Sohn Malte, ließ sich die Segelei handhaben! 

 

Inzwischen haben schon über 200 Gäste das Segeln auf "ALFRED" genießen können, darunter auch  asthmakranke Kinder aus Zypern bei der  "CHRISTIAN-MÜTHER-Gedächtnisfahrt".

Das Jahr 2000 brachte auch die erste Frachtfahrt für "ALFRED" nach fast 50 Jahren: die zwei neuen Glocken für die Kirche in Greifswald-Wieck wurden nach Wieck transportiert !! Nachdem die Glocken von dem Museumskran "CONDOR" (Bj. 1910) im Museumshafen Greifswald auf "ALFRED" gehievt wurden ging es  unter den Klängen des mitfahrenden Posaunenchores und über die Toppen geflaggt den Ryck hinab, es war es eine ehrenvolle Frachtfahrt.